Protokoll der Sitzung vom 21.03.2013

Zur Transparenz kann ich an dieser Stelle beitragen: Ich bin ein Kind der Uni Lübeck, und ich habe selbst damals Herrn Austermann ausgepfiffen, als er versucht hat, den Laden dichtzumachen.

(Christopher Vogt)

(Volker Dornquast [CDU]: Wann war das? - Wolfgang Kubicki [FDP]: Austermann war da gar nicht!)

Ich bin froh, dass das nicht geschehen ist. Ich kann insofern nachvollziehen, wie sich die Studenten und die Mitarbeiter der Universität Flensburg fühlen und gefühlt haben.

Ich bin noch gespannt, wie viele Fächer nachher in der Sekundarstufe II wirklich vorhanden sein werden. Das haben Sie vorhin leider ausgelassen. Ich vermute einmal, Sie wissen es nicht. Ich bin gespannt. Ich muss auch dem Kollegen Vogt an einer Stelle recht geben.

(Christopher Vogt [FDP]: Immerhin!)

Wo kommt das Geld her?

(Zurufe)

Das ist eine Frage, die komplett offengeblieben ist.

(Zuruf Christopher Vogt [FDP])

Wir haben auch mit der Uni Flensburg gesprochen, und da hieß es: Wenn man eine komplette Oberstufenausbildung hinbauen würde, würde das strukturell etwa 1 Million € pro Jahr kosten. Das ist ganz schön teuer, aber ich bin der Meinung, dass es ein angemessener Preis ist. Die Frage ist, aus welchem Topf das kommt. Es darf auf keinen Fall aus einem Topf der Universität Kiel kommen, damit die Unis nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern wir müssen es aus einem anderen Topf nehmen.

Es entspricht aber zum Beispiel auch nur - das sage ich jetzt einmal - 2 % der Kosten, die Dataport jedes Jahr für Werkverträge raushaut, ohne genau zu erklären, was damit gemacht wird. Das ist nur eine Idee.

Ich vermute eher, dass Sie ein bisschen auf das Exzellenzbudget geschielt haben. Schauen wir einmal. - Aber Sie schütteln den Kopf, das ist gut. Wir werden uns im Ausschuss weiter darüber unterhalten. Ich bin gespannt, was da kommt.

Was ich sehr gut finde, ist, dass Sie die Didaktik sowohl in Flensburg als auch in Kiel stärken wollen, weil das sehr wichtig ist. Wir bilden Lehrer nicht für Schulen aus, sondern um Schüler zu unterrichten. Das sollten sie möglichst einfühlsam und gut hinbekommen.

Neue Lehrer braucht das Land, weil wir moderne Bildung brauchen. Lernen ist wie Rudern gegen den Strom: Hört man damit auf, treibt man zurück. Bitte rudern Sie mit uns! - Vielen Dank.

(Beifall PIRATEN)

Das Wort für die Abgeordneten des SSW hat Frau Abgeordnete Jette Waldinger-Thiering.

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Diskussion über die zukünftige Lehrerbildung hat in den letzten Wochen in Flensburg und Kiel für viel Unruhe gesorgt. Das ist absolut verständlich, denn an beiden Standorten werden unsere zukünftigen Lehrer ausgebildet. Für beide Universitäten spielt die Lehrerbildung eine wichtige Rolle. Für meinen Geschmack wurden die durchaus berechtigten Befürchtungen und Ängste von vielen eher geschürt als genommen. Schon allein deshalb freue ich mich darüber, dass heute endlich konkrete Eckpunkte für die zukünftige Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein vorliegen. Anstatt hier also weiter wild zu spekulieren, können wir diese Debatte auf einer konkreten Grundlage führen.

Mit Blick auf diese Diskussion möchte ich für den SSW vorweg eins festhalten: Es ist schade, dass wieder einmal fast ausschließlich über Verteilungsfragen und Standorte geredet wurde. Aus unserer Sicht ist die Frage danach, welche Art Lehrer wir in Zukunft überhaupt brauchen und welche Ausbildung hierfür nötig ist, viel wichtiger. Wir haben in diesem Zusammenhang mehrmals betont, dass wir eine Lehrerbildung wollen, die wirklich Sinn macht; denn mit einer Ausbildung, die in Teilen gar nicht mehr zu den verschiedenen Schulformen passt, ist niemandem geholfen.

Wenn man sich unsere Bildungslandschaft genauer ansieht, dann folgt daraus vor allem eins: Wir brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte, einerseits für Gymnasien und andererseits für Gemeinschaftsschulen. Dabei müssen die Gemeinschaftsschullehrer selbstverständlich auch eine Befähigung für die Oberstufe haben. Der SSW ist der Auffassung, dass sich den Hochschulen hier auch zukünftig ein guter Ansatzpunkt für Spezialisierungen bietet.

Ich denke, Ihnen allen ist das übergeordnete Ziel dieser Koalition bei der Neugestaltung der Lehramtsstudiengänge bekannt: Wir wollen ein hohes fachliches Niveau der zukünftigen Lehrkräfte erreichen und dauerhaft sichern. Deshalb muss eine fundierte, praxisorientierte und qualitativ hochwertige Ausbildung im Mittelpunkt dieser Neuordnung stehen. Aus Sicht des SSW ist es deshalb sehr erfreu

(Uli König)

lich, dass die gefundene Einigung zwischen der Wissenschaftsministerin und dem Flensburger Unipräsidenten genau in diese Richtung geht.

Natürlich sind viele Details noch zu klären, aber fest steht schon jetzt, dass nicht nur die Koalitionsvereinbarung, einen Studiengang für die Sekundarstufen I und II zu schaffen, umgesetzt wird. Durch die gefundene Einigung werden auch beide Universitäten in die Lage versetzt, ein gewisses Mindestmaß an Fächern und Kombinationsmöglichkeiten vorzuhalten. Das ist nicht nur mit Blick auf die Attraktivität der Standorte, sondern vor allem auch für die Qualität der Ausbildung sehr wichtig.

Für den SSW will ich hier einen Punkt besonders deutlich machen: Ausreichende Kombinationsmöglichkeiten sind nicht zuletzt für die Studierenden der Fächer Dänisch und Friesisch enorm wichtig.

(Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sven Krumbeck [PIRATEN])

Denn wir haben in Flensburg Studierende, die auch weiterhin auf Lehramt an den Minderheitenschulen in Dänemark und Schleswig-Holstein ausgebildet werden sollen. Gerade dieser Studiengang, der einmalig ist, benötigt vielfältige Kombinationsmöglichkeiten, was die Fächer betrifft. Ähnliches gilt für die Friesischstudierenden. Auch dieses in der gesamten Republik einmalige Studium ist abhängig davon, dass die Studierenden gute Fächerkombinationsmöglichkeiten in Flensburg haben.

(Beifall SSW und BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN)

Vor diesem Hintergrund möchte ich ausdrücklich festhalten, dass die Qualität der Lehrerbildung in Flensburg auch eine minderheitenpolitische Relevanz hat und dass dies auch die Grundlage für einen zukunftsfähigen Europacampus in Flensburg ist.

(Unruhe)

Um noch einmal kurz zusammenzufassen: Wir brauchen endlich eine Lehrerausbildung, die sich an den faktischen Strukturen der Schullandschaft orientiert. Unser Ziel ist es, die Details dieser Reform im Dialog und damit gemeinsam mit den Hochschulen anzugehen. Wir verbinden mit diesem Verfahren die Hoffnung, dass unsere Hochschulen am Ende gut für die Zukunft aufgestellt sind. Letztendlich werden dort zukunftsfähige Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet, die auf die jungen Menschen zugehen und sie alle gemeinsam aufnehmen können. Denn - ein kleines Zitat -: Bildung kann, wenn sie gut gemacht ist, sehr glücklich und gelassen machen.

(Beifall SSW, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sven Krumbeck [PIRATEN])

Das Wort zu einem Dreiminutenbeitrag hat Herr Abgeordneter Daniel Günther.

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Erstens. Die Kollegin Waldinger-Thiering hat sich eben bei der Ministerin dafür bedankt, dass sie so ein konkretes Konzept vorgelegt hätte. Es wäre fair, wenn das an alle Abgeordneten verteilt werden könnte und nicht nur an die Kollegin Waldinger-Thiering.

Zweitens. Herr Dr. Stegner, der im Moment telefoniert, hat dem Kollegen Vogt eben eine echt fiese Frage gestellt, indem er ihm drei verschiedene Möglichkeiten gegeben hat.

(Zuruf Serpil Midyatli [SPD])

- Das war wirklich fies. Er hat ihm drei verschiedene Möglichkeiten gelassen, welche Kritik ich denn nun ernst meine, hat ihm aber gar nicht die Möglichkeit gegeben, die richtige Antwort zu geben. Es sind nämlich alle drei Möglichkeiten richtig. Alle Vorwürfe, die ich vorhin erhoben habe, erhalte ich aufrecht.

(Rasmus Andresen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist widersprüchlich!)

Der erste Vorwurf ist: Die Ministerin hat noch nicht ein einziges Mal auf eigene Initiative zum Thema Lehramtsausbildung den Landtag oder den Bildungsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags informiert.

(Beifall CDU und FDP)

Noch kein einziges Mal. Ich finde, das ist ein bemerkenswerter Vorgang. Ich bleibe dabei: Wenn es nicht FDP und CDU gäbe, die Anträge gestellt haben - der Kollege Habersaat hat sie hier alle einzeln aufgezählt -, hätten wir uns bis heute kein einziges Mal mit diesem wichtigen Thema auseinandergesetzt. Das ist die Wahrheit.

(Vereinzelter Beifall CDU und FDP)

Herr Abgeordneter Günther, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Rasmus Andresen?

(Jette Waldinger-Thiering)

Herr Kollege Günther, würden Sie bitte zur Kenntnis nehmen, dass wir uns anders als die letzte, die schwarz-gelbe Koalition - vorgenommen haben, ein Lehrerbildungsgesetz zu schaffen, bei dem wir noch weit vor dem parlamentarischen Verfahren stehen, und wir jetzt gerade in einem Dialogverfahren mit den Hochschulen sind? Ich weiß, dass auch Sie daran teilnehmen. Das parlamentarische Verfahren kommt danach. Es werden nicht vorher Fakten geschaffen, die wir im Parlament beraten, um danach formal noch die Hochschulen einzuladen und anzuhören. Dieses Mal funktioniert es andersherum: erst die Hochschulen, dann das parlamentarische Verfahren.

- Herr Kollege Andresen, würden Sie umgekehrt auch zur Kenntnis nehmen, dass auch wir im Moment selbstverständlich Gespräche mit den Hochschulen führen und zum Teil selbst in die Hochschulen hineingehen? Zum anderen Teil kommen die aber auch zu uns, weil die in ernsthafter Sorge über das sind, was Sie an der Stelle planen. Der Kollege Vogt hat das gerade eben dargestellt.

(Unruhe)

Dialog heißt für mich, dass auch im Landtag ein Dialog stattfinden muss. Gucken Sie sich bitte einmal Ihre Unterlagen an, wie häufig der Kollege de Jager den Bildungsausschuss über jeden einzelnen Verfahrensschritt bei der Lehramtsausbildung informiert hat.

(Rasmus Andresen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weil ich das beantragt habe!)

- Nein, gucken Sie sich die Ausschusssitzungen im Januar und März 2012 an! In beide Ausschusssitzungen ist der Kollege de Jager gegangen und hat schriftliche Vorlagen vorgelegt, wie weit sich die Lehramtsausbildung entwickelt hat.