Was ich für bedauerlich halte und als nachfragebedürftig einstufe, ist: Wir haben ausdrücklich festgestellt, dass die Einbindung von Migrantinnen und Migranten im Gesundheitsbereich besonders wichtig ist, dass es auch um Sprachvermittlung geht. Das einzige Projekt, das es hier im Lande gibt, nämlich SHEFA, das sich aus Migrantinnen und Migranten zusammensetzt und an Migrantinnen und Migranten wendet, um ihnen auf dem deutschen Gesundheitsmarkt einen Weg durch den Dschungel zu bahnen und sie durchzuführen, findet in dem Bericht leider keine Erwähnung. Das finde ich außerordentlich bedauerlich und ich möchte das hier benennen.
Eine weitere Gruppe, die hier genannt werden muss und nur wenig zur Geltung kam, sind die Migrantinnen und Migranten. Bereits im Kindergarten und in der Ausbildung sind sie schlechter gestellt. Wir haben in unseren Förderschulen einen wesentlich höheren Satz an Migrantinnen und Migranten, als dies laut Statistik normalerweise üblich sein dürfte. Mit anderen Worten gesagt: Da es normalerweise im Durchschnitt nicht mehr förderbedürftige Kinder unter den Migrantinnen und Migranten geben kann, sind zu viele Kinder in Schulen mit Förderbedarf. Das heißt, sie sind wahrscheinlich wegen sprachlicher Probleme dorthin zurückversetzt worden.
Wir unterstützen weiterhin das soziale und kulturelle Netzwerk der Migrantenselbstorganisationen. Uns sagen viele Experten in diesen Tagen: Auslöser ist auch ein Stück mangelnde Anerkennung, die die französischen Migranten dort in den Vorstädten erfahren haben. Indem wir die Selbstorganisation der Migranten stärken, stärken wir das Selbstbewusstsein und auch das, was Migranten in unsere Gesellschaft einzubringen haben.
Wir müssen auch Migranten gewinnen, die in den Lehrerberuf einsteigen. Wir brauchen Migranten als Späteinsteiger, die entsprechend qualifiziert werden, aber wir brauchen auch junge Migranten, die sich für den Lehrerberuf interessieren, zum einen, weil sie die Problemlagen von Migrantenkindern kennen, zum anderen aber auch, weil sie positive Vorbilder für Migrantenkinder sein können.
Erfreulich finde ich, dass rund 10 % der Arzt- und Zahnarzthelferinnen und -helfer Migrantinnen und Migranten sind. Das ist eine beachtliche Zahl mit positiver Tendenz. Das muss man festhalten. Das ist gut so. Gott sei Dank haben wir im vergangenen Jahr im Gesundheitsdienstgesetz die Problemlage der chronisch kranken Menschen und der Migrantinnen und Migranten verankert. Auch das ist ein wichtiger und guter Schritt, den wir gemeinsam gegangen sind. Es wird festgehalten, dass es eigentlich keine Spezialangebote für Migrantinnen und Migranten im Bereich der Gesundheitsversorgung gibt. Das bestätigt auch unsere Auffassung: Gesundheit ist nicht teilbar.
Zu 2 und 3: Die Landesregierung wird alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in den genannten Bereichen prüfen und aufgrund dieser Bewertung geeignete Schritte einleiten. Im Bereich der Bildungspolitik gibt es bereits Aktivitäten der Landeszentrale für politische Bildung sowie im Rahmen der Europa Union, die insbesondere Informationsreisen in die Türkei mit Vortragsveranstaltungen über die Europäische Union zum Gegenstand haben. Im Bereich des Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Verkehr wird ein Pilotprojekt „Beratung zur Existenzgründung und –sicherung von Migranten und Migrantinnen“ in der Region Hannover durchgeführt, mit dem Migranten der Weg in die Selbständigkeit aufgezeigt werden soll. Gerade Migranten aus der Türkei nehmen die Beratung sehr stark in Anspruch. Auf dieser Basis sollen die Beziehungen weiter entwickelt werden.
Aber ich will Ihnen auch noch drei weitere Punkte nennen, bei denen es darum geht, wie wir etwas fortentwickeln. Wie wollen wir Menschen integrieren, sodass sie sich in unseren Systemen zurechtfinden? Da ist ein spannendes Thema die Gesundheit,die Prävention.Wie finden sich Migranten dort zurecht? In diesem Bereich entwickelt die Hessische Landesregierung gerade ein Modell mit Migranten für Migranten, um über unser System aufzuklären,Hinweise zu geben,Gesundheitslotsen auszubilden, damit es in Zukunft besser funktioniert, damit Aufklärungsarbeit geleistet wird und damit der Integrationsansatz über das Thema Sprache hinausgeht. Die Sprache bleibt dabei allerdings immer die Grundvoraussetzung.
Tatsächlich führen rückläufige Aussiedlerzahlen aufgrund des Wohnortzuweisungsgesetzes zur Dislozierung der Migranten in der Fläche unseres Landes mit teilweise positiven Folgen, aber, was die Beschulung angeht, teilweise auch durchaus negativen Folgen. Statt nun einzelne Migranten aus der weiten Fläche zentral in die dafür vorgesehene Schule des CJD nach Celle zu überweisen, lässt man sie vor Ort, beschult man sie als Einzelpersonen oder in kleinsten Gruppen vor Ort, ohne dass die Schulen dabei in der Lage wären, ihre Arbeit wirklich in der erforderlichen Qualität und mit dem erforderlichen Ergebnis zu leisten. Den Schulen fehlt zum großen Teil die Erfahrung im Umgang mit den Migranten, und es fehlen auch wesentliche Voraussetzungen, um eine angemessene Beschulung überhaupt durchzuführen.
Auch bei Veranstaltungen wie der „Nacht der Jugend“ und anderen, die dazu geeignet sind, wo sehr viele jugendliche Migranten und Deutsche zusammenkommen und wo wir als Bremer Fraktionen, als Bürgerschaft, als Senat einen Einfluss auf die Gestaltung haben, bei all diesen Veranstaltungen sollten wir dieses Thema auf die Tagesordnung setzen. Ich glaube, wir dürfen nicht verschweigen, wir können das strafrechtlich und auch politisch sanktionieren, wir werden aber durchschlagenden Erfolg im Sinne der Mädchen und Frauen nur dann haben, wenn es in den Gemeinschaften der Migranten selbst angekommen ist, wenn von innen heraus bei denjenigen Personen, die in diesen Gemeinschaften das Sagen haben, ein Wandel stattfindet. Wir wissen, dass das Menschen sind in Moscheen, wir wissen, dass das Menschen sind in Vereinen, wir wissen, dass das Menschen sind, die in Nachbarschaften ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben. Von innen heraus muss in diesen Gemeinschaften auch das Problem sanktioniert und thematisiert werden und eine Modernisierung und ein Wandel stattfinden. Wir haben eine große Chance, dass dies passiert, weil neue Generationen nachwachsen, die von verschiedenen anderen Einflüssen hier beeinflusst sind, die hier geboren sind, die hier aufgewachsen sind und bei denen wir eine große Chance haben, wenn wir uns dort immer klar im Sinne des Grundgesetzes und im Sinne der Menschenrechte selbst verhalten und selbst äußern, dass auch in diesen Gemeinschaften dieses Thema ernst genommen wird und dass von innen heraus – nicht nur von unserer Seite, von außen quasi – ein Umdenken in diesen Fragen entsteht. Dann glaube ich, dass wir im Zusammenwirken von Migranten selbst, von Politik und der Öffentlichkeit in den nächsten Jahren eine durchgreifende Änderung in dieser Frage erreichen können. – Vielen Dank!
Es gibt bestimmte Bereiche, in denen Migrantinnen und Migranten überproportional vertreten sind, bei unterqualifizierten Jobs. Gerade im Handwerksbereich ist es so, dass Migranten bei Tätigkeiten ohne Qualifikation überproportional vertreten sind, deutlich unterproportional aber bei qualifizierten Tätigkeiten. Das lässt darauf schließen, dass hier Möglichkeiten bestehen, mehr Leute zu qualifizieren und mehr qualifizierte Leute anzuwerben. Ich gehe nicht davon aus, dass es so ist, dass Migranten grundsätzlich dümmer sind. Wenn ein großer Teil keine Ausbildung hat und in unqualifizierten Jobs beschäftigt ist, besteht offensichtlich ein Qualifikationsdefizit und es bestehen Möglichkeiten, gute Leute auf entsprechende Positionen zu bringen. Das schaffen wir wohl noch nicht ausreichend. Deswegen ist das hier benannt.
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich denke, es besteht Einvernehmen, dass alles, was die wirtschaftliche Basis von Migranten verbessern kann, eindeutig positiv zu bewerten ist. Ich stimme auch Herrn Möhle zu, dass die Aktivitäten, die Migranten in dieser Stadt entfalten, eine hohe Vielfalt haben und sie insbesondere interessant sind unter bilateralen Gesichtspunkten, dass damit auch Brücken geschlagen werden in die Heimatländer dieser Migranten und die wirtschaftlichen Beziehungen dort deutlich belebt werden können. Ich glaube, das passiert auch, da gibt es eine Menge Beispiele, wie auf Basis dieser Kontakte bremische Unternehmen Kontakte und wirtschaftliche Beziehungen in diese Länder aufbauen.
Aufgrund der Wurzeln des Arbeitskreises kann man eventuell einen Schwerpunkt in Bezug auf Spätaussiedler vermuten. Nach meinen Recherchen ist dies jedoch ein Trugschluss. Denn AWO, Deutsches Rotes Kreuz, Caritas und Städtetag haben durchaus Erfahrungen in der Arbeit mit Migranten aus vielen Ländern – Erfahrungen m i t Migranten; es ist nicht die Erfahrung d e r Migranten; da haben Sie, Frau Bauer, natürlich Recht.
Nichts mehr mit multikulturellen rot-grünen Träumereien, sondern endlich gibt es Realismus; denn wir können nicht auf Dauer hinnehmen, dass die Arbeitslosigkeit unter Migranten drastisch höher ist als unter den Einheimischen. Die Sätze liegen bundesweit bei 2,5-mal höherer Arbeitslosigkeit bei Migranten. Für die Sozialhilfe kann ich es nur für Bayern sagen. Bei den Migranten gibt es 3,5-mal mehr Empfänger. Das liegt nicht daran, dass dies faule Leute sind, sondern weil jemand, der wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht umgeschult werden kann, kaum eine Chance hat einen neuen Arbeitsplatz zu kriegen. Das Risiko ist höher.
Der Antrag, der hier vorliegt, der die Landesregierung auffordert, bis zum 1. November 2005 eine Landeskonzeption zur Integration von Migrantinnen und Migranten in unserem Land zu erarbeiten, findet meine volle Zustimmung. Wir fangen nicht bei null an, sondern wir können auf bereits Geleistetes aufbauen und daran anknüpfen. Bereits im Jahr 2002 haben das Kabinett und auch der Landtag das Konzept zur Einrichtung eines Integrationsfachdienstes in Rostock zur Kenntnis genommen und das Sozialministerium mit seiner Umsetzung beauftragt. Unter Federführung meines Hauses legte eine interministerielle Arbeitsgruppe Migration im Juni vergangenen Jahres einen umfassenden Bericht über die Lage der Migrantinnen und Migranten vor und am 12. März 2003 beauftragte der Landtag die Landesregierung, die Leitlinien zur Integration von dauerhaft in Mecklenburg-Vorpommern lebenden Migrantinnen und Migranten, einschließlich hier aufhältiger Asylsuchender, zu erarbeiten. Diese Leitlinien wurden im Kabinett im Dezember beschlossen. Die Leitlinien knüpfen unmittelbar an die Analysen, Anregungen, aber auch Defizite an, die im Bericht der interministeriellen Arbeitsgruppe genannt wurden.
Gerade hier steckt meines Erachtens die große Unterlassungssünde der vergangenen Jahre auch im politischen Raum. Da wurden Migranten in Mecklenburg-Vorpommern ghettoisiert, da haben wir es nicht verstanden, nach der Wohnungszuweisung auch den dauerhaften Dialog mit ihnen aufzubauen. Da haben wir es nicht geschafft, die Migranten selbst zu sensibilisieren für unser Verständnis, haben es beispielsweise nicht flächendeckend verstanden, Sprachbarrieren abzubauen. Punktuell wird es sicher geklappt haben, aber das war dann eher den lokalen Akteuren vor Ort geschuldet, weil sie, aus welchem Antrieb heraus auch immer, Integration ernst genommen haben. Nur war dies dann eher ein Produkt des Zufalls und nicht die logische Konsequenz aus staatlich gewollter Integration, die gesellschaftlich verankert ist. Und da brauchen wir uns nichts vorzumachen, die gesellschaftlich gewollte und beförderte Integration von Migranten ist eine solch große Herausforderung wie kaum eine andere. Wir werden uns selbst hinterfragen müssen, vielleicht auch peinlich berührt sein, welche Denkmuster und Klischees auch in unseren Köpfen, und wenn es nur das Unterbewusstsein ist, existieren.
Es ist der Komplex der älteren Zuwanderer angesprochen worden. Es ist in der Tat so, dass es Menschen sind, die sich für uns über Jahre, Jahrzehnte krumm gelegt haben, die wir damals ins Land geholt haben, ohne uns darüber klar zu sein, was es eigentlich für unsere Gesellschaft bedeutet, mit welchen Herausforderungen wir noch konfrontiert sind. Das kommt jetzt auf uns zu. Es sind Fragen von Pflege im Alter von Migranten, es sind Fragen, wie wir mit den Angeboten der Altenhilfe umgehen. Ich glaube nicht, dass wir besondere Angebote brauchen, sondern wir haben vielfältigste Angebote im Land Bremen, die wir aber dafür öffnen müssen. Wir müssen die Träger begeistern, dass sie sich für Migrantinnen und Migranten öffnen, aber wir müssen auch an die Migrantinnen und Migranten herankommen und ihnen klar machen, dass es möglich ist, diese Angebote zu nutzen.
Vielleicht sogar noch etwas krasser ist das Beispiel bei der Altenhilfe. Auch da ist es so, dass die Erkenntnis, dass auch Migrantinnen und Migranten älter werden, schon relativ alt ist und dass die Diskussion schon sehr lange andauert. Der Senat hat aufgeführt, was er tut, was auch Wohlfahrtsverbände tun im Bereich der so genannten interkulturellen Öffnung der Altenhilfe, das ist ein schrecklich technokratisches Wort, das heißt einfach nur, dass unsere stationären Altersheime und auch die ambulante Pflege endlich darauf angepasst werden und sich darauf einstellen, dass sie auch für Migranten und Migrantinnen da sein sollen. Da ist unheimlich viel passiert, dennoch ist es so, dass, wenn man wieder in die Praxis geht und sich das genau ansieht, wir natürlich noch weit davon entfernt sind, dass die Altenhilfe als solche schon im gleichen Maße von Migrantinnen und Migranten angenommen wird, wie sie etwa von deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürgern angenommen wird.
re einheimische Menschen aus anderen Bundesländern, aber eben auch Migranten, hier ihren Lebensabend verbringen wollen und auch können. Deshalb ist es von Bedeutung, nicht nur aus demographischen Gründen, sondern auch aus gesellschaftspolitischer Verantwortung heraus sich künftig intensiver mit älteren und älter werdenden Migranten zu beschäftigen. Dazu sind am ehesten Sozialpädagogen und Pflegekräfte mit Migrationshintergrund aus dem eigenen Erfahren geeignet. Informationen über das deutsche System der Versorgung von älteren Menschen sind häufig nicht bekannt. Andererseits sind deutsche Institutionen auf Neuklientel bisher nur in Ausnahmefällen vorbereitet. Es ist also Personal erforderlich, das hilft, zum Beispiel Altenhilfestrukturen interkulturell zu öffnen. Ziel ist es, älteren Migranten, ebenso wie allen anderen auch, ein würdevolles Leben im Alter zu ermöglichen.
Ich will die vielfältigen und auch die Migrantinnen und Migranten erreichenden Angebote in den Stadtteilen, in denen wir durch unsere WiN- und LOSProgramme insbesondere hier auch weitere Dinge für die Migrantinnen und Migranten anbieten, und letztendlich die Verbesserung der Partizipation von Migrantinnen und Migranten durch zunehmende Netzwerkbildung sowie durch die Gründung und die Arbeit des Bremer Rates für Integration hinzufügen.
Wir begrüßen, dass dem Rundfunkrat künftig auch eine Migrantin beziehungsweise ein Migrant angehören wird. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk spielt für die Integration von Zugewanderten eine bedeutende Rolle. Migranten stellen auch in Bremen eine wichtige gesellschaftliche Gruppe dar, und diesen Fakt berücksichtigen wir nun mit einem Sitz im Rundfunkrat, sodass Migranten und Migrantinnen ihre Belange einbringen können. Im Radio-Bremen-Gesetz wird die Integration von Migranten als Aufgabe verankert. Das ist ein wichtiger Erfolg.
Die Bemühungen des Bundes werden durch das Sozialministerium im Rahmen der Integrationsförderung ergänzt. Hierbei werden folgende Schwerpunkte gesetzt: Es geht um die Verbesserung der sprachlichen und der beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten. Es geht um die Stärkung der Partizipation der Migrantinnen und Migranten sowie die Unterstützung von Vereinen und Initiativen bei der Entwicklung von Hilfen zur Selbsthilfe sowie die verstärkte Einbeziehung von Migrantinnen und Migranten in das bürgerschaftliche Engagement von Vereinen, Verbänden und Parteien. Es geht um die Optimierung der migrationsspezifischen Beratung in allen Integrationsphasen.
Aufgrund der speziellen Alterszusammensetzung und des noch nicht überwiegenden Anteils Jüngerer unter älteren Migranten werden in der Zukunft zunehmend gesundheitliche Probleme in diesen Gruppen zu erwarten sein. Der dritte Altenbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2001 verweist darauf, dass bislang ein häufiges Auftreten von Krankheiten bei älteren Bürgerinnen und Bürgern durch deutsche Ärzte behandelt wird, aber viel zu wenig interkulturelle Qualifikationen beachtet werden. So wird zum Beispiel der Gesundheitszustand aufgrund besonderer Belastungsfaktoren schlechter. Hinzu kommt, dass migrationsspezifische Belastungen auf das seelische Wohl wirken, Wohnungen von Migranten oft schlecht ausgestattet und für Pflegebedürftigkeit gar nicht geeignet sind. Die meisten Migranten kommen aus Ländern mit niedriger Lebenserwartung, so dass 55-Jährige häufig gleiche Krankheitssymptome wie bei uns die 70-Jährigen haben.
Es ist in der Tat so, wenn man sich einmal die Zahlen ansieht, dass bei den Jugendlichen der Wunsch nach einer Ausbildung im dualen System im Betrieb sogar steigt und nicht sinkt, dass 58 Prozent der Schulabgänger insgesamt eine Berufsausbildung anstreben. Vor zwei Jahren waren es noch 56 Prozent, übrigens Migranten noch stärker als Deutsche, das heißt, dass Migranten auch noch stärker benachteiligt werden, als wir das sowieso schon feststellen. Sie sind unterdurchschnittlich vertreten. Ich habe mich auch immer gefragt, ob es daran liegt, dass sie es eigentlich gar nicht so sehr wünschen und anstreben. Ich finde, hier ist auch gerade ein Gebiet, Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche mit migrantischem Hintergrund zu schaffen, wobei wir noch sehr viel Überlegungen und Mühe daran binden müssen, dass die Benachteiligung der Migranten auch in Bezug auf die Berufsausbildung etwas abgemildert wird.
Zu den Migrantinnen und Migranten möchte ich nur insoweit sagen, für uns war wichtig, weil auch das medienpolitisch diskutiert worden, es geht um die Migrantinnen und Migranten, es geht nicht um eine weitere Glaubensgemeinschaft oder es geht nicht im Weiteren um eine spezielle Gruppe eines Herkunftslandes. Von daher glauben wir, dass die Organisation der Migrantinnen und Migranten über den Rat der Integration die richtige Antwort ist bei den heutigen geforderten gesellschaftlich relevanten Gruppen und deren Veränderungen. Deswegen ist mir wichtig zu sagen, dass natürlich das in der ersten Lesung durch die Bremische Bürgerschaft in ihrer Mehrheit beschlossene Gesetz von der Koalition zurückgezogen wird, damit es gleich auch ein vernünftiges Verfahren für unser Präsidium gibt, das sich darauf vorbereitet, dass wir das Gesetz zurückziehen. Das hieße, es ist dann abzustimmen über das mit Mehrheit beschlossene, eben in das Parlament überwiesene Gesetz und den dazu anhängigen Anträgen der Opposition.
Jetzt möchte ich einmal zum Thema Migranten und Rat für Integration etwas sagen! Ich habe, ehrlich gesagt, keine Lust, den einen gegen den anderen auszuspielen. Bei einer Besetzungsposition für Migranten in diesem Rundfunkrat, wie man das auch immer sehen mag, werden wir nie gerecht sein können. Das ist einfach so! Das wird auch immer bei allen Besetzungen relevant, es wird zu keiner hundertprozentigen Gerechtigkeit kommen. Nur, ich bin der Meinung, der Rat für Integration hat eine andere Aufgabe, dieser Rat, wie er arbeitet, was er macht, für die Migrantinnen und Migranten zu arbeiten, als die Funktion, für eine gesellschaftlich relevante Gruppe im Rundfunkrat zu arbeiten. Deswegen bin ich gegen die Vertretung durch diesen Rat für Integration.
Der EU-Innen- und Justizkommissar Fratini stellte am 13. September 2007 das Konzept einer Bluecard vor. Hiermit sollte die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte erleichtert werden. Der größte Teil der Migranten, die nach Europa kommen, sei beruflich nicht qualifiziert, und zwar nicht weniger als 85 Prozent von ihnen. In den USA sei das ganz anders. Die Migranten, die in die USA kämen, seien ausgebildet. Mehr als die Hälfte der ausgebildeten Migranten ginge in die USA, in die EU kämen dagegen nur 5 Prozent von ihnen. Mit anderen Worten, die meisten Einwanderer, die in die USA kommen, stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, und zwar als qualifizierte oder hoch qualifizierte Arbeitskräfte, in der EU hingegen nicht.
Das Staatsangehörigkeitsgesetz wurde verschärft. Zuletzt kam durch die Abschaffung der Erleichterungen für die Einbürgerung von Migrantinnen und Migranten vor Vollendung des 23. Lebensjahres eine weitere Verschärfung hinzu. Im Jahr 2000 erhielten in der Bundesrepublik noch 187 000 Migrantinnen und Migranten die Einbürgerungsurkunde. Im Jahr 2006 waren es nur noch 125 000 Migrantinnen und Migranten.
Ein Letztes möchte ich noch sagen sowohl zu dem Bereich Bildungspolitik, das betrifft Herrn Beilken, als auch zu dem Antrag zu den Migrantinnen und Migranten. Es geht hier um einen Armutsbericht, nicht um einen Bildungsbericht, und es geht auch nicht um ein Konzept zur Verbesserung der Situation allein von Migrantinnen und Migranten, sondern ausschließlich unter dem Aspekt Armut. Wenn man die rechtliche Situation von Migrantinnen und Migranten verbessern will, braucht man dafür eigene Anträge, die sollte man dann als rechtspolitische Anträge ausgestalten und nicht im Rahmen einer Armutsdiskussion behandeln. – Vielen Dank!
Ich bin gespannt, ob Sie mir ein anderes Land nennen kön nen, das so etwas tut. Das betrifft das Thema Kinderbetreu ung. Herr Schmiedel sagt: „Das hilft aber den Migranten!“ Vorhin sagte Herr Prewo, ich müsse über etwas anderes reden als über Migranten, nämlich über Frauen. Jetzt rede ich über Frauen, dann sagt Herr Schmiedel: „Das hilft den Migranten nicht.“
Wir haben zu wenige Migranten, die in NordrheinWestfalen an den Universitäten auf Lehramt studieren, nämlich eine knappe Quote von 2 %. Wir habe zu wenige Migranten, die in NordrheinWestfalen als Lehrer im Schuldienst sind: aktuell knapp 1 %. In Zukunft werden wir aber Klassen gerade in Großstädten haben, in denen die Migranten wenn nicht die Mehrheit, so doch zumindest eine große Minderheit stellen werden.
Die Migrationssozialberatung ist ein wichtiger Baustein für die Integration der hier dauerhaft lebenden Migrantinnen und Migranten. Daher geht das Rahmenkonzept des Landes auch von zwei unterschiedlichen Zielgruppen aus. Vorgesehen ist eine Integrationsbegleitung von Migrantinnen und Migranten mit Daueraufenthalt und eine Beratung in Krisensituationen für Migrantinnen und Migranten mit vorübergehendem Aufenthalt.